Religionen haben ja deswegen so viele Anhänger, weil die meisten Menschen unsterblich sein wollen. Das ist das größte Pfand, das Religionen anzubieten haben. Und sie können sicher sein, dass nie jemand darauf kommt, ob ihre Heilsversprechen wahr sind oder nicht. Mann kann ja nicht beweisen, dass es nach dem Tod nichts gibt. Es ist ein Wunschdenken des Menschen, dass es nach dem Tod weitergeht. Der Philosoph Ludwig Feuerbach sagte ja mal sinngemäß, dass nicht Gott den Menschen erschaffen hat, sondern der Mensch Gott geschaffen hat.

"Die Projektionstheorie ist eine atheistische Erklärung für den Sinn von Religion und Gott durch Ludwig Feuerbach (1804-1872).

Demnach ist Gott nur die Summe aller Wünsche (nach Unsterblichkeit, Vollkommenheit, Glückseligkeit, Gleichberechtigung) jedes Menschen, die dieser aber nicht als Wünsche anerkennt, sondern in einer von sich selbst gebildeten Gottheit projiziert."
http://de.wikipedia.org/wiki/Projektionstheorie

Ob ein ewiges Leben überhaupt wünschenswert wäre, bezweifle ich wie die Autorin Esther Vilar.
"Esther Vilar ist das Kunststück gelungen, ein wahrhaft mitreißendes Buch über das langweiligste Thema der Welt zu schreiben: das ewige Leben"
schreibt Michael Schmidt-Salomon im Nachwort des soeben im Alibri Verlag neu erschienenen Buchs

"Die Schrecken des Paradieses – Wie lebenswert wäre das ewige Leben?"

"Man muss einfach gelesen haben, welch pikante Details sie über das Sexualverhalten der Engel, über Familienzusammenführungen im Jenseits oder die Möglichkeiten himmlischer Freizeitgestaltung zutage fördert – allesamt Themen, die von Theologen bislang sträflichst vernachlässigt wurden! Nach der Lektüre dieses wunderbar klugen, herzerfrischend komischen, mitunter aber auch tief melancholischen Buchs ist dem Leser klar:
Wenn er - entgegen aller Wahrscheinlichkeit - je in die Zwangslage kommen sollte, zur Rechten Gottes zu sitzen, würde er spätestens nach 1000 Jahren himmlischer Langeweile auf Knien darum bitten, endlich vom zermürbenden Fluch der Unsterblichkeit erlöst zu werden!"

Genau so könnte ich es mir auch vorstellen.


Hier noch eine Rezension


Esther Vilar: Die Schrecken des Paradieses


Esther Vilar malt mit schonungsloser, atemberaubender Konsequenz aus, wie lebenswert
das ewige Leben wäre. (...) Grundlage von Vilars Argumentation ist die Todesangst jedes
Menschen, die so selbstverständlich ist, dass sie kaum je thematisiert wird. Allerdings führt
diese Todesangst uns Menschen in diverse „Überlebensversicherungskonzerne“, die ihren
Anhängern diesseitig viel Zeitaufwand und Energie abfordern, um jenseitig mit „möglichst
umfassenden Komfortgarantien anzutreten“. Nicht nur das: Die Überlebensfachleute ver-
langen, dass wir mit allem zahlen, was wir besitzen, „mit unserer Individualität, unserer
Freiheit, unserer Freude am Leben“, und dafür sollen wir gelegentlich auch andere töten,
die nicht Mitglied unseres speziellen Überlebenskonzerns sind. Unsere Lebenswelt ist also,
meint Vilar, ein „gigantisches Narrenhaus“, in dem wir in ständiger, berechtigter Sorge vor
religiös bedingten Lebensverkürzungen unser Dasein fristen. Und wofür?
Für die unbescheidenste aller Annahmen, diese phänomenale Selbstüberschätzung,
man sei zu wertvoll, um zu vergehen!

Warum diese Zeitvertreibe auf Dauer nicht funktionieren können, was alles im Paradies
fehlt und weshalb der Fromme irgendwann „seinen Herrgott auf Knien bäte, (das Paradies)
wieder abzuschaffen“, ist ein derart intellektuelles und die Lachmuskeln anregendes Ver-
gnügen, das man es sich auf jeden Fall gönnen sollte!

Die Todesangst vor dem Ende habe die Sehnsucht nach dem Ewigen Leben bestärkt und
die Intensität des Verlangens nach Weiterleben bestimmt. Ziemlich überraschende Wen-
dungen beleben den Duktus. Kritisches Denken soll erlaubt sein, doch rein diesseitige Per-
spektiven stellen sich zu einseitig dar. Die Ausführungen zum „Sexualverhalten der Engel“
und zur „vegetarischen paradiesischen Küche“ sind unpassend und unnötig.

Fazit: Die jetzige Lebensfreude sei zu stärken, sie stelle das einzig Sichere dar.
Gerd Kriebisch für ekz-Informationsdienst 30/2009
Fiona Lorenz für Humanistischer Pressedienst, 29.6.2009


Gruß Hubert